Warum Empathie am Arbeitsplatz Unternehmen erfolgreicher macht – das Empathie-Paradox 1
„Empathischer Dialog und wirtschaftlicher Erfolg sind keine Gegensätze – sie bedingen sich gegenseitig“.
Nach dieser Aussage müsste jede Geschäftsführung alles daransetzen, damit Empathie fester Bestandteil der Unternehmenskultur wird.
Diesen Satz habe ich vor kurzem in „Performance trotz Empathie“ (Beltz/Beltz/Gohlke/Zenker) gelesen – und er spiegelt genau wider, warum ich so gern tue, was ich tue: Ich stehe für Frieden im Miteinander, und ich bin überzeugt, dass genau das uns erfolgreicher macht.
Der Mehrwert von Empathie am Arbeitsplatz
Zahlreiche Studien belegen, dass Empathie kein „nice-to-have“ ist, sondern ein klarer Erfolgsfaktor.
Wenn Mitarbeiter*innen ihre Organisationen als empathisch wahrnehmen:
- gibt es weniger stressbedingte Krankenstände und Burnouts
- ist die mentale Gesundheit insgesamt besser[1]
- gibt es weniger Fluktuation[2] und somit Einsparungen in den Bereichen Rekrutierung und Einschulung
- Empathie hat auch einen Einfluss auf die emotionale Verbundenheit (Employee Engagement). Dies wirkt sich wiederum nachweislich auf Produktivität (+14-18 %), Profit (+23 %) und Beteiligung (+22 %)[3] aus.

Stell dir ein Teammeeting vor:
Eine Mitarbeiterin spricht an, dass sie mit der aktuellen Projektlast überfordert ist.
Statt sofort Lösungen vorzuschlagen oder gar zu bewerten, hört die Führungskraft erst einmal zu. Sie fragt nach und bleibt präsent.
Das Ergebnis?
Die Mitarbeiterin fühlt sich gesehen – und das Team findet gemeinsam eine tragfähige Lösung.
Und doch wird Empathie immer noch als „Soft Skill“ abgetan – als etwas Nettes, das nebenbei passieren soll.
Ein hartnäckiger Mythos: „Empathie ist ein Soft Skill“
Nehmen wir ein weiteres Beispiel: Ein Mitarbeiter bringt in einem Gespräch ein schwieriges Thema zur Sprache.
Statt sofort zu reagieren, bleibt die Führungskraft einen Moment still, hört aufmerksam zu und stellt Fragen.
Genau in diesem Moment entsteht Vertrauen.
Marshall B. Rosenberg, der Gründer der Gewaltfreien Kommunikation, definierte Empathie als ein respektvolles Verstehen der Erfahrung anderer Menschen. Doch verstehen heißt, mit dem Erleben dieser Person zu bleiben, und ggf. mitzufühlen.
Und das ist gar nicht so leicht, ohne sofort zu trösten, Lösungen zu liefern oder die Situation kleinzureden.
Empathie bedeutet nach dieser Definition: wirklich zuzuhören – nicht nur die Worte, sondern die Realität dahinter zu spüren – sich sozusagen „in den Schuhen des anderen Menschen“ einzufühlen. Dabei innehalten, statt sofort zu reagieren.
Das ist nichts Weiches.
Das ist bewusste, innere Arbeit.

Empathie: Präsenz und harte Arbeit
Präsenz als Geschenk
Marshall Rosenberg sagte dazu:
Deine Präsenz ist das wertvollste Geschenk, das du einem anderen Menschen machen kannst
Denn Empathie bedeutet, die Gefühle unseres Gegenübers – und oft auch ihre Resonanz in uns – zuzulassen.
Gleichzeitig haben viele von uns gelernt:
„Sei nicht so wütend“
„Nimm dir Dinge nicht so zu Herzen.“
„Sei vernünftig.“
Präsenz ist harte Arbeit

Kennst du diese Dissonanz?
Es ist anstrengend, die Gefühle anderer zu halten, besonders wenn sie eigene Erinnerungen wecken. Und gleichzeitig kann es sehr erfüllend sein, einfach präsent zu sein. Vor allem dann, wenn wir merken, wie erleichtert unser Gegenüber ist.
Ich merke es besonders an anstrengenden Tagen, wenn plötzlich mein eigenes Kind etwas braucht und starke Gefühle zeigt, die ich mir selbst nicht erlaub(t)e zu zeigen: Es ist schwer, nicht in den ‚Lösungsmodus‘ zu fallen. Doch genau darin liegt die Übung: Das Unbehagen aushalten, um wirklich zuzuhören. Das kann sich innerlich paradox anfühlen.
Dein Reflexion-Impuls
Wann bemerkst du heute den Impuls, zu trösten, statt einfach zuzuhören? Was würde passieren, wenn du diesem Impuls nicht folgst, sondern einfach präsent bleibst?
Bei wem kommt dieser Impuls eher?
Gibt es Situationen, in denen dir das Zuhören leichter fällt?
Falls du dich fragst, wie du empathisches Zuhören konkret üben kannst, und wenn du weißt, es geht besser, wenn du nicht allein auf dem Weg bist: Ich arbeite sowohl mit Einzelpersonen als auch mit Teams – mehr dazu findest du hier.
Im nächsten Blogpost werde ich über die Kosten fehlender Empathie schreiben.
[1] It’s cool to be kind: The value of empathy at work, McKinsey podcast, 2024
[2] Empathy Monitor Studie, Businessolver, 2017
[3] What is employee employee engagement and how do you improve it?, Gallup
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