Leadership beginnt nicht mit Antworten, sondern mit Selbstführung

Auf Social Media gibt es gerade einen #2016-Trend. Er hat mir dazu gebracht, mich selbst zu fragen: was war damals eigentlich bei mir los?

Dabei kamen Erinnerungen hoch.
2016 war für mich ein Jahr des Übergangs. Nicht im Sinne eines großen Plans, sondern eher wie eine Schwelle, über die ich gegangen bin, ohne genau zu wissen, wohin sie führt.

Privat war diese Zeit geprägt von Trennung und Liebeskummer. Etwas ist zu Ende gegangen, vieles war schmerzhaft offen. In dieser Phase hat mir die Gewaltfreie Kommunikation geholfen. Nicht, weil sie den Schmerz genommen hätte, sondern weil sie mir einen anderen Umgang damit ermöglicht hat: weniger Vorwurf, weniger Zerstörung, mehr Verantwortung für das Eigene.

Beruflich habe ich Schritte gemacht, die bis heute wirken und entscheidend für meinen Weg zur Trainerin waren.  

Dieser Weg begann allerdings nicht mit Sicherheit, sondern mit einem inneren Widerspruch – und mit vielen Fragen.

Nach vielen Jahren in der Projektkoordination merkte ich, dass sich etwas verschoben hatte.
Ich wollte weniger konzeptionell über Menschen arbeiten und wieder mehr mit ihnen.
Ich wollte näher an der Realität sein, näher an dem, was Menschen tatsächlich bewegt.

In einer anderen Abteilung ergab sich diese Möglichkeit: als Trainerin.
Ein scheinbar widersprüchlicher Karriereschritt. Während meiner Schul- und Universitätszeit habe ich mich selbst immer als introvertiert beschrieben. Präsentationen, Referate, vor Gruppen sprechen – all das war nichts, womit ich mich wohlgefühlt habe. Daraus habe ich eine Schlussfolgerung gezogen: Das liegt mir nicht. Das kann ich nicht.

Rückblickend war das weniger eine Eigenschaft als ein Missverständnis über mich selbst.

Bald stand ich vor Gruppen junger Flüchtlinge in ganz Österreich oder arbeitete in Istanbul mit syrischen Flüchtlingen vor ihrer Reise nach Österreich. Situationen, die Präsenz verlangten. Beziehung. Klarheit. Und die Bereitschaft, mit Ungewissheit umzugehen.

Ich merkte, dass ich mich vor Gruppen wohlfühlen konnte – nicht trotz der Komplexität, sondern mit ihr. Vorausgesetzt, bestimmte Bedingungen waren erfüllt.

Ich hatte ein klares Konzept. Ich wusste, welches Wissen zu vermitteln war. Ich war gut vorbereitet.
Und gleichzeitig konnte ich flexibel bleiben, reagieren, zuhören, den Raum lesen.

Parallel dazu habe ich begonnen, in meiner Arbeit und in verschiedenen Projekten immer wieder Module, Workshops oder Inputs zur Gewaltfreien Kommunikation einzubringen. Nicht nur als Methode oder Tool, sondern als Haltung, die ich selbst lebte – in meiner Sprache, in meinem Umgang mit Konflikten, in der Art, wie ich Beziehung gestaltete.

Das Überraschende daran: Ich hatte nicht das Gefühl, mir etwas mühsam anzutrainieren. Es war eher ein Wiedererkennen: Kompetenzen, die sichtbar wurden.

Rückblickend habe ich in dieser Phase weniger gelernt als entdeckt.

Diese Arbeit hat mir nicht beigebracht, präsent zu sein oder mit Unsicherheit umzugehen. Sie hat mir gezeigt, dass ich dazu fähig bin.

„Etwas lernen“ impliziert oft, dass uns etwas fehlt und von außen hinzugefügt werden muss.
„Etwas entdecken“ bedeutet, dass es bereits da ist – aber bisher keinen Raum hatte, sich zu zeigen.

Ondine Delavelle vor einem Flipchart - Stimmungsvoller Moment zu Leadership, Selbstführung und innerer Klarheit

Ich habe entdeckt, dass Führung nicht mit Dominanz beginnt, sondern mit Selbstführung.
Dass Präsenz nicht laut sein muss, sondern aus innerer Klarheit entsteht.

Ich habe erfahren, wie es ist, Sicherheit im Wissen zu haben und trotzdem offen für das Ungeplante zu bleiben – und mich sogar darin zu entspannen. Nicht, weil das plötzlich angenehm war, sondern weil ich verstanden habe, dass ich dem nicht ausgeliefert bin.

Die Phase, in der ich am meisten gezweifelt habe, war rückblickend die, in der etwas Neues begonnen hat.

Heute sehe ich diese Zeit als einen der ersten konkreten Schritte in Richtung meiner heutigen Arbeit als Trainerin und Coach.

Nicht, weil plötzlich alle Antworten da waren.
Sondern weil ich bereit war, die Fragen zu leben – im Tun, in Beziehung, in Verantwortung.

Leadership bedeutet für mich nicht, alle Antworten zu haben.
Sondern bereit zu sein, sich selbst zu führen. Gerade dann, wenn Unsicherheit da ist.

Vielleicht liegt genau dort der Anfang von Führung:
nicht im Wissen, sondern in der Präsenz.
nicht in der Kontrolle, sondern in der inneren Klarheit.
nicht im Wegdrücken von Zweifeln, sondern im Ernstnehmen dessen, was sie anzeigen.

Wenn du spürst, dass ein nächster Schritt ansteht, oder du ihn bereits gegangen bist und dich neu ausrichtest:
Ich begleite Menschen dabei, ihre innere Haltung und ihre Rolle neu zu kalibrieren.


Foto-Credit: Mariel Kleeschulte

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